Türkei-Rundreise 1997-detaillierte Reisebeschreibung:

Reiseeindrücke von Johannes Stentrup von der Rundreise durch die Türkei vom 24.04.1997 bis 28.05.1997 (mit kleinen Ergänzungen und Kommentaren, P.W.)

Inhaltsübersicht:

Anreise Anreise nach Ankara Ankara
Türkische Riviera Türkische Riviera nach Istambul Nach Istambul
Westanatolien Westanatolien in Istambul Istambul
nach Osten Nach Osten europäischer Teil Europäischer Teil
Schwarzes Meer Schwarzes Meer Heimreise Heimreise
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Donnerstag, 24.04.1997

Es geht es um 10.00 Uhr los in Richtung Tübingen, nachdem die Motorräder auf dem Hänger festgezurrt und das Gepäck im Auto verstaut ist. Um etwa 18.00 Uhr kommen wir in Tübingen an. (Weicheier! Mopeds auf dem Hänger! P.W.)
Mit Manne, Gerda Sailer und Madeleine Bayer sind wir nach Reusten ins Bergcafé gefahren und haben den beiden alten Damen von unserem Vorhaben berichtet und ein Vesper gegessen. Beim Verlassen des Lokals lag der Haushund (ein riesengroßer Bernhardiner, P.W.)   auf zwei zusammengestellten Sesseln und schlief.

Freitag, 25.04.1997

Um 9.30 Uhr fuhren wir ab der Juhe Tübingen mit den besten Wünschen des Hausherrn und seiner Gattin sowie seiner Tochter Inge ab. Herr Westenhoff hatte sich um etwa eine halbe Stunde verspätet. (Ich bin noch morgens von Mannheim nach Tübingen gefahren, das sagt wieder keiner!, P.W.)

Es ging recht zügig über die Schwäbische Alb Richtung Wangen (Allgäu) zum Grenzübergang Pfronten, über Reutte, Fernpaß, Reschenpaß zum Kalterer See (Südtirol). In Kaltern / Pfuß haben wir "Im Badl" unser Quartier aufgeschlagen. Zum Abendessen wurde unter anderem ein "Schulternadl" gereicht. Vor der großen Fahrt sollte das die letzte "richtige Mahlzeit" sein.

Samstag, 26.04.1997

Los ging es um 9.00 Uhr in Richtung Süden über kleine Landstraßen (gute Kartenleistung von mir, P.W.) nach Venedig, wo wir um 15.00 Uhr einliefen. Eine Frau Andersen aus Alaska war mit Ihrer K75 in Europa unterwegs und wollte mit der Fähre in die Türkei und dann nach Syrien.
Da bei Herrn Stentrup die Vorderradbremse unerklärliche Geräusche verursachte, wurde der Sache auf den Grund gegangen. Die Bremsbeläge, die zu Hause noch in Ordnung waren, hatten sich verabschiedet, wurden gewechselt und die Angelegenheit hatte sich erledigt. Herr Westenhoff hat in weiser Voraussicht für solche Fälle vorgesorgt (ja ich wieder - Herr Stentrup hat nur Teile dabeigehabt, die wir nicht gebraucht haben, P.W.).
Um 18.30 Uhr konnten die Tickets übernommen werden und zwei nicht zu klärende Zettel in türkischer Sprache mußten, wer weiß wofür ausgefüllt werden. Das Einckecken und die Fahrt auf die M/F Ankara klappten problemlos. Um 20.00 Uhr durften wir unsere Motorräder mit einem 8mm starken "Seil" gegen Umfallen "sichern". (Man sollte selber was zum Sichern dabeihaben, auf den Schiffen geht es eng zu und ein Umfaller gibt bestimmt Ärger, PW.) Wir belegten die Kabine 543 oberhalb der Schraube, was eine zwar gewisse Geräuschkulisse mit sich brachte jedoch auch den Vorteil, daß die Schiffsbewegungen während des Aufenthaltes in der Kabine in Längsrichtung aufgenommen werden konnten. Die Kabine befand sich im Heckbereich hinter der Cafeteria und hatte einen direkten Ausgang zum Deck (kurze Wege (und frische Luft, P.W.)). Um an Bord nicht ganz auf dem Trockenen zu sein, mußte ein Block mit Konsumierungsscheinen im Wert von 50,00 DM gekauft werden. Für die nächsten drei Tage war das unser Zahlungsmittel. Die ersten Worte in Türkisch war die Bestellung von "üc bira", was den Kellner sichtlich in Erstaunen versetzte. Geschlafen haben wir recht gut. Das Essen an Bord war gegenüber dem in der Türkei gelinde gesagt lausig (zum Frühstück: angetrocknetes Weißbrot, Schafskäse, 5 Oliven, Gurkenscheiben, 1/4 Tomate). Es gab jedoch jeden Tag ein Ei und Kaffee, der den Namen nicht verdient, was die Umstellung auf Tee leicht machte. Das Mittagessen war immer zerkocht und es ging ab wie in der Mensa. Man kann eben nicht alles haben, außer man bucht erster Klasse, wo die Bedienung das Essen serviert. (Das sah aber nicht besser aus, P.W.)

Dienstag, 29.04.1997 10.00 Uhr - Ankunft im Hafen von Izmir.

Einreisehinweise: Das Motorrad von Bord fahren und an den Autos vorbei soweit wie möglich nach vorne in Richtung Polizeigebäude fahren. Das Einreiseformular, das beim Ausfahren aus der Fähre überreicht wird ordnungsgemäß, vollständig und in allen Zeilen kräftig durchgeschrieben ausfüllen. Zunächst muß jeder mit seinen eigenen Papieren zur Polizei, anschließend zum Zoll bevor das Gepäck an einer weitern Station kontrolliert wird. Wer die Wartezeit nutzen will, kann im Gebäude in dem der Zoll untergebracht ist bei der Post (PTT) Geld tauschen. Wir haben für 100 Mark 7.150.000 Türkische Lire (TL) bekommen, was sich im Laufe der Reise wöchentlich günstiger entwickelte. Der beste Kurs lag bei 8.120.000 TL.
(Man braucht auf jeden Fall einen Reisepaß, wenn man mit dem Motorrad einreisen will, P.W.) Die Papiere sind unbedingt vollständig bereitzuhalten d.h. Reisepaß, KFZ-Schein, grüne Versicherungskarte, Krankenversicherungsnachweis. Beim Zoll erhält man einen Schein auf dem das Fahrzeug eingetragen wird. Diesen Schein "Vehicle entry - exit form" muß man bei der Ausreise vorzeigen, ansonsten wird man nicht herausgelassen, da das Fahrzeug nicht abgemeldet werden kann. Im Reisepaß wird auch das Fahrzeug eingetragen und bei der Ausreise zurückgeschrieben. Alle Scheine und Quittungen, die man erhält, sollten bis zum Schluß der Reise aufbewahrt und während der Reise mitgeführt werden. Bevor man den Hafen verlassen kann wird am Hafenausgang noch einmal der Reisepaß und der KFZ-Schein in ein Riesenbuch eingetragen. Erst danach darf man sich in das Verkehrsgewimmel von Izmir begeben und die Türkei genießen.

Izmir ist von der Hektik einer Millionenstadt geprägt. An der Ausfahrt aus dem Hafen sahen wir den ersten und es sollte nicht der letzte Verkehrsunfall sein. Ein Fiat 500 war leider zweiter Sieger. Um uns, was zwangläufig erforderlich war, dem fleißenden Verkehr anzupassen sind wir mit 90 km/h durch die Stadt getrieben worden. Mir ist ein derart hektisches Fahren und ständiges Hupen von irgendwelchen Fahrzeugen nicht bekannt gewesen. (Ein Witz - wir hatten ausgemacht, bei Problemen zweimal zu hupen - das hätte der vorne nie mitbekommen, P.W.) Von sämtlichen Städten, die wir bereist haben war das Fahren in Izmir am schlimmsten. Wer die Möglichkeit hat, Izmir schnell zu verlassen, sollte das wahrnehmen und sich an den schönen Landschaften der Türkei erfreuen. (Ja, ich bin als letzter gefahren, die gammeligen LKW's haben mir fast auf dem Reifen gehangen, bei 70 km/h, - 50 sind erlaubt - war's lebensgefährlich. Bremsen an Roten Ampeln nur, wenn schon Querverkehr kommt, sonst wird man überrollt. Am besten, einfach mitschwimmen. P.W.) Wir wollen nach Selcuk und Ephes. Zunächst geht es Richtung Cesme dann links ab in die Innenstadt Richtung Aydin. Empfehlung: Nicht die Bundesstraße, sondern zuerst weiter nach Cesme dann Richtung Süden die 300 bis Güzelbahce nach Süden, die 505 Richtung Seferhisar weiter nach Selcuk. In Selcuk rechts Richtung Kusadasi. In Ephes liegt das Tucon Motel direkt am Fuße der Ruinen. Für DM 10,00 kann man nichts verlangen. So war das Motel dann auch.

Vom Motel kann man bequem zu Fuß zur "Stadt" hinauflaufen, ohne eines der sich immer wieder anbietenden Taxis zu nehmen. Die Entfernungsangaben der Taxifahrer sind mindestens auf das 2 - 3 fache der wahren Entfernungen hochgejubelt. Es ist lediglich eine viertel Stunde zu Fuß bis zur "Above Gate". Wer dennoch mit dem Taxi fahren will, soll wenigstens den Fahrpreis auf 20% - max. 50% des geforderten Preises vor Fahrtantritt herunterhandeln.

Zum Fotografieren ist der späte Nachmittag sehr zu empfehlen, da die Bustouris nach 16.00 Uhr die Stadt verlassen, die Objekte somit nicht mehr überfüllt sind und man sich seine Motive in Ruhe aussuchen kann. Wer etwas Glück hat, dem verhilft die tiefstehende Sonne zu hervorragenden Bildern.

Mittwoch, 30.04.1997 (Koniginendag in den Niederlanden)

Wir fahren nach Söke und weiter nach Kusadasi. Hier in Güzelkamir, einem Stadtteil von Kusadasi werden wir zum erstenmal zum Tee eingeladen und nehmen das Angebot gerne an. Recep Özkonyal ist in Deutschland geboren und war bis zu seinem 24. Lebensjahr in Deutschland und betreibt heute einen Auto- und Motorradverleih. Er gibt uns einige wertvolle Hinweise bezüglich der Straßen, die zwar in unserer Karte eingetragen sind jedoch zum Teil nicht (mehr) existieren. So besteht kein Straße von Güzelkamir nach Priene (Albugazi). Wir fahren eine sehr ausgefahren Straße zurück in Richtung Söke bis Davutlar. Endlich sind wir auf der Bundesstraße und können es wenigstens ein wenig ziehen lassen. Ehe wir uns versehen geraten wir in eine Polizeikontrolle. Ich spüre, wie mein Adrenalinspiegel und der Blutdruck sich schlagartig erhöhen. Von diesen Polizeikontrollen haben wir schon viel gehört. Um keine unnötige Distanz zwischen den Beamten und uns aufkommen zu lassen, öffnen wir unsere Helme, ziehen die Handschuhe aus und begrüßen die Ordnungshüter mit Handschlag und "Merhaba". Ein freundliches Lächeln gleitet dem Polizisten über das Gesicht eher er sich weiter für uns interessiert. Der Reisepaß wird gezeigt und überprüft. Dann interessieren sich der Polizist und seine Kollegen ausschließlich für unsere Reiseroute und für unsere Motorräder. Nach kurzer Erklärung auf Türkisch, Englisch und unter Zuhilfenahme von Wörterbuch sowie Händen und Füßen dürfen wir weiterfahren. Wir bedanken uns und grüßen freundlich mit "Allahaismarladik" worauf die Ordnungshüter zunächst erstaunt reagieren und mit "Güle, Güle" antworten. Die erste Kontrolle war geschafft. (Es war weiß Gott nicht die letzte, P.W.)!

Wir fahren weiter nach Priene und besuchen die Ruinen. Hier treffen wir eine holländische Familie, die wir auf den Koniginendag hinweisen, worauf sie überrascht ist, daß es Deutsche gibt, die darüber informiert sind. Von hier oben hat man einen hervorragenden Überblick über die Ebenen, kann sich im Theater in die Marmorsessel der Hoheiten setzen und sich vorstellen, daß in früherer Zeit die Einwohner auch feiern konnten. Peter hat im Theater seinen Reiseführer vergessen und darf noch einmal die Stufen der ewigen Götter erklimmen (ächtz- steil war's, P.W.). Im Theater bringt eine holländische Gruppe gerade die Nationalhymne aus o. g. Anlaß zum Besten. In Priene essen wir im Restaurant mit dem Wasserfall. Von den Ruinen kommend linke Seite. Hier kann man während des Essens die Forellen füttern, die man vielleicht wenige Minuten später essen wird. Wir haben uns nach Besichtigung der Gerichte in der Kühlvitrine für Lammfleisch mit Salat, Yogurt und Brot sowie Wasser entschieden. Das Essen war sehr gut und hat etwa pro Person 14 Mark gekostet.

Über Tusburgase und Milas geht es nach Bodrum.

Es hat mittlerweile angefangen zu regnen. Wir quartieren uns in die Pansiyon Albatros ein. Für eine Nacht zahlen wir DM 14,-- pro Person ohne Frühstück.

In Bodrum gehen wir - nachdem es aufgehört hat zu Regnen - in die Stadt und am Hafen entlang und sehen uns die Yachten an. Das Museum für Aquanautik war leider geschlossen.

Donnerstag, 01.05.1997

10.00 Uhr war Abfahrt Richtung Tagesziel Pamukkale. Wir wählen die Straße über Karaova, Mugla, Tavas und Denizli (Wunderschöne Bergstraße, P.W.). Hinter Denizli (am Ortsende an der Ausfallstraße nach Pamukkale - echt gut, P.W.) essen wir zu Mittag und werden von einem heftigen Gewitter überrascht und sind gezwungen, unser Essen nicht auf der Terasse, sondern innerhalb des Restaurants zu Ende zu bringen. In Pamukkale haben wir uns für die Kervansaray als Domzil für die nächsten zwei Tage entschieden. Der Besitzer, Herr Mevlüt Kaya ist Englischlehrer, was die Konversation wesentlich erleichtert. Wir gehen hinauf zu den Kalksinterterassen und erfreuen uns an dem 37°C warmen Wasser des Hotelpools. Zwei Amerikaner, die ebenfalls die Entspannung im Pool suchen machen eine Busreise von Ort zu Ort durch die Türkei. (Zwei hübsche Chinesinnen aus Hong Kong waren auch noch im Pool - davon sagt er wieder nix, P.W.)
Die Polizisten in Pamukkale fahren natürlich BMW - R80 RT. Wir kommen über eine Reiseleiterin mit ihnen ins Gespräch und versprechen, ihnen die von uns gemachten Photos zukommen zu lassen.
Frau Kaya von der Kervansaray hat ihre Küche, die "Mutfak" sehr gut im Griff und bereitet jeden Abend ein hervorragendes türkisches Gericht. Die Halbpension hat etwa pro Tag 25,00 DM gekostet.
Der kleine Sohn der Familie ist der ganze Stolz des Vaters, der ihm nichts übel nehmen kann. Der Kleine weiß dieses geschickt auszunutzen und startet immer wieder Tischstaubsaugeraktionen, die ihm sichtlich Spaß bereiten. Vor dem Essen trinken wir selbstverständlich einen Raki. Beim Essen kommt uns das Tuborg gerade recht wenn es schon kein Ephes gibt. (Ephes ist die beste türkische Biersorte, P.W.)

Freitag, den 02.05.1997

Wir starten um 9.30 Uhr unsere Rundreise, nachdem wir an der Post uns mit Briefmarken eingedeckt haben. Der Schalterbeamte sprach etwas besser Deutsch (das er in Neumünster gelernt hatte) als ich Türkisch, sodaß die Verständigung mal wieder problemlos funktionierte. (Er hatte den Posten nach seiner Rückkehr in die Türkei gekauft, P.W.). Die Rundreise führte über Saraköy, Karacasu, Aphrodisias, Tavas und Denizli.
In Aphrodisias habe ich die Jandarma gefragt, ob wir auf ihren schattigen Parkplätzen unsere Motorräder abstellen dürften. Dieses hatte zur Folge, daß uns der Stationschef zum Tee einlud, was wir gerne angenommen haben. Gleichzeitig waren die Motorräder unter ständiger Kontrolle während unseres Besuches der Stadt und des Museums. (Annette hat vom Komandanten eine Blume verehrt bekommen, als sie bekundete, daß hier schöne Pflanzen wären - Vorsicht mit solchen Bekundungen, die Leute wollen einem dann gleich was schenken, P.W.)

In Denizli besuchen wir eine Teppichhalle. Hier wird uns gezeigt wie Teppiche hergestellt werden. (Da gab es tolle Wachhunde, riesengroße, kräftige Kerle mit kurzem hellen Fell und einer dunklen Maske, die angeblich von persischen Kampfhunden abstammen - wunderschön, weiß jemand, was das für Hunde sind? Bitte mal bei mir melden, P.W.)
Die Veranstaltung mündet in ein von dem Teppichverkäufer gezielt geführtes Verkaufsgespräch, wobei wir immer wieder unsere Unentschlossenheit zum Ausdruck bringen und uns Bedenkzeit bis zum anderen Morgen ausbitten, an dem wir uns selbstverständlich trotz Überreichung der Visitenkarte nicht noch einmal melden. (Wer hier was sagt oder sich für einen Teppich interessiert, der kommt da ohne Kauf nicht mehr raus, die Teppiche sind nicht besonders und recht teuer - Preise vergleichen geht ja nicht, P.W.) Im übrigen werden in den Teppichhallen keine Teppiche produziert. Die Teppichknüpferinnen arbeiten nur weiter, wenn Touristen im Hause sind.

Samstag, den 03.05.1997

Unser Tagesetappenziel ist die Südküste. Auf unserem Weg machen wir die ersten Erfahrungen mit Schotterpisten und Baustraßen, bei denen wir raten müssen, wo es eigentlich weitergeht. (Geil - dafür ist die GS gebaut - optimal! P.W.)
Den Strand von Patara sehen wir uns an um dann weiterzufahren und in Kalkan in der Pansiyon AKDENIZ unser Quartier zu beziehen. Am Marktplatz werden wir über die Pansiyon aufgeklärt. Es ist ein sehr gutes Zimmer mit Blick aufs Meer, ganz neu, mit Toilette und Dusche , mit Terasse zum Frühstücken für 1,5Mio.TL = 20Mark/Pers. Herr Akdeniz hatte nichts weiter als die Wahrheit gesagt.

Auf der Fahrt nach Kalkan schlägt die Gabel von Herrn Stentrups Motorrad des öfteren sehr hart durch, sodaß der Federweg bei der Ankunft in Kalkan stark eingeschränkt war.
Abends essen wir bei Herrn Gürzel im Restaurant "Ilyada" den frischesten Fisch an der Küste von Kalkan (O -Ton Herr Gürzel). Herr Gürzel war bevor er das Restaurant leitete Deutschlehrer. Nach intensiver Beratung entschließen wir uns für den frischen Rotbarsch mit Kartoffeln und verschiedenen Gemüsen, Zitrone, Gewürzen und vor allem viel Knoblauch zu essen. Der Rotbarsch wird im Ganzen in einem Topf mit den Kartoffeln und dem Gemüse gekocht und in Topf mit 60cm Durchmesser serviert.
Raki, Ephes, ein Weißwein aus Canakale aus der Kellerei Kavaklidere und mindestens eine Vorspeise sind reine Pflichtübung; der türkische Mokka muß mit Pfefferminzlikör getrunken werden. Kosten der Übung 9.526.000TL = 42,00DM/Pers. Astrein.

Sonntag, 04.05.1997

Zunächst steht nach dem Frühstück auf der Terasse die Reparatur der Gabel auf dem Programm. Das Gabelöl wird abgelassen und nach und nach gefiltert wieder eingefüllt. Die Gabelölmenge wird reduziert, was den erhofften Erfolg bringt. Wir fahren über die Küstenstraße Richtung Kale. Es ist der schönste Streckenabschnitt der gesamten Reise. In den kleinen Buchten liegt ab und zu eine Yacht oder einige Menschen baden oder sonnen sich. Es ist unglaublich schön. Mittags sind wir in Kale, die Stadt der Tomatengewächshäuser. Als wir aus den Bergen ins Tal fahren, sieht es so aus, als liege im Tal ein See. Mitnichten, denn es sind riesige Flächen mit Gewächshäusern zugebaut worden, um dreimal im Jahr Tomaten zu ernten. Wir fahren links ab nach Myra und besuchen die Felsengäber. (Die liegen genau neben den Tomaten, sieht man aber auf den Reiseführer-Fotos nicht, P.W.)

Es geht weiter an der Küste entlang über Finike und Antalya nach Side, das wir um 19.30 erreichen. Die BMW - Werkstatt liegt an der Ausfahrtstraße zum Flughafen in Antalya. Die Pansiyon Moonshine, die in der Fußgängerzone liegen soll, haben wir nicht gefunden. (War jedenfalls ganz witzig unter den deutschen Touris - so etwa wie mit dem Motorrad in der Kölner Fußgängerzone am langen Samstag vor Weihnachten, P.W.) Dafür treffen wir Roland aus Bad Kissingen mit seiner Gold Wing. Er ist zum zehntenmal hier und besorgt uns einen Bungalow für 17,00DM/Pers.. Side ist von deutschen Touristen überlaufen. Türkisches Essen ist nicht zu bekommen. Wir essen in Mehmets Reastaurant die "türkische Pfanne". Wir sind uns einig, daß wir am nächsten Morgen rechtzeitig Side verlassen. (Vergeßt Side, P.W.!)

Montag, den 05.05.1997

Heute wollen wir versuchen, Konya zu erreichen, was keine Schwierigkeit sein dürfte, da die Strecke nur etwa 290km lang ist. 9.30 Uhr ist Abfahrt aus Side. 12km hinter Manavgat fahren wir Richtung Norden die 695. Unser Weg führt uns durch die Berge über Akseki. Die alte Paßstraße wird seit längerem nicht mehr befahren. Große Steine bis zu einem Durchmesser von 90 cm liegen immer wieder auf der Straße, die alten Zollhäuser auf der Paßhöhe sind zusammengefallen, die Straße ist teilweise nicht mehr vorhanden. Die schmalste Straßenstelle war lediglich 30 cm breit und rechts und links ging es etwa einen halben Meter herunter. (Bevor der eigentliche Abgrund anfing. Aber die Straße sah auf der Karte wirklich prima aus und so war es auch! P.W.) Da kommt Freude auf.
In Beysehir besuchen wir die hölzerne Moschee. (Lohnt sich, wunderschöner Innenraum, P.W.)
In Konya treffen wir an der Hauptpost Sali Horzum, der seine Kindheit und Jugend in Vreden im Münsterland verbracht hat und heute als Deutschlehrer sein Geld verdient. Er bietet uns an, ein ruhiges Hotel (Hotel Saray) zu besorgen, und anschließend führt er uns durch den Basar zum Gewürzhändler und Teehändler sowie zu seinen Freunden Faruk und Mustafa, die mit Teppichen handeln. (Anscheinend hat jedermann in der Türkei einen Freund, der mit irgend etwas handelt, P.W.) Von Faruk lernen wir ein wenig über Teppiche. (Faruk ist ein wirklich netter und interessanter Typ - sicher der Schwarm aller Touristinnen, P.W.)
Faruk zeigt uns seinen "Rolls Royce, einen Seidenteppich, der ganz unten in seiner Schatztruhe lagert. Der Besuch dauert etwa 2 Stunden, einen Teppich konnte Faruk uns noch nicht verkaufen. Mit Sali gehen wir nebenan anschließend essen. Übrigens arbeitet Salis Bruder, der in Vreden geboren ist, in dem Teppichladen.

Dienstag, den 06.05.1997

Wir frühstücken auf der Mevlana Cadessi neben Faruks Teppichladen "Selcuk Galerie" und besuchen das Mevlana - Museum, den Gold-Untergrundbasar und den offenen Basar eher wir um 12.30 Uhr Sali treffen. Wir sehen uns die neue Moschee und das neue Einkaufszentrum, das in jeder deutschen Großstadt sein könnte, an. Sali lädt uns zu sich nach Hause zum Teetrinken ein. Hier zeigt er uns Bilder von Vreden und seiner Hochzeit.

Am Nachmittag kommt Salis Frau mit Sohn in den Laden. Er bekommt von uns ein kleines Geschenk. Nach zähen Verhandlungen, die sich über 2 Stunden hinziehen kauft Peter anschließend seinen Sumak bei Faruk. (Er ist wirklich schön - ich konnte nicht anders. Transportschaden: leider wurde er klein gefaltet und dadurch verzogen, war nicht so doll mehr in Deutschland - hätte ich besser gerollt. P.W.)
Wir essen mit Sali im "Konya Mutfak" rein türkisch. Mustafa fährt uns mit seinem Auto zum Restaurant. Es gibt Bergdorfsuppe, Okraschotensuppe, Börek mit Käse, Käse in Weinblättern, verschiedene Fleischgerichte und zum Nachtisch wurde Blätterteiggebäck mit Pistazienstreusel gereicht. Fladenbrot hat uns Sali auch noch besorgt. Es gab lediglich Wasser oder Ayran zu trinken. Den Rückweg zum Hotel legen wir zu Fuß zurück.

Mittwoch, den 07.05.1997

Es geht weiter zu einem Highlight unserer Fahrt, nach Göreme. Unterwegs sehen wir uns die Kervansaray Sultanhani an. Hier betteln die Kinder sehr aufdringlich nach ein paar Münzen. Über Aksaray fahren wir nach Derinkuyu und besichtigen eine der unterirdischen Städte. Ein Türke, der in Deutschland gearbeitet hat und vor sieben Jahren wegen Haschischhandels abgeschoben worden ist (sagt er selber, P.W.), lädt uns zum Tee ein und paßt auf unser Gepäck auf. Über Nevsehir fahren wir nach Göreme, wo wir nach 320km die Motorräder vor der Pansiyon "Blue Moon" bei strahlendem Sonnenschein abstellen. Hier treffen wir zwei Belgier, die am Abend einen Kulturabend verbringen werden. Einer der Belgier ist gebürtiger Türke und vor 37 Jahren nach Belgien gegangen. Zur Abwechselung essen wir in einem italienischen Restaurant Kebab. Hier gibt es wieder Raki und Ephes, was bei dem heißen Wetter gut kommt.

Donnerstag, den 06.05.1997

Die Motorräder haben Pause, werden nachgesehen und soweit wie möglich gewartet. (Bei meiner Mathilde war natürlich alles in Ordnung, P.W.) Wir begeben uns in die Tuff-Felsen und verbringen dort den ganzen Tag. Am späten Nachmittag besuchen wir noch eine (alte ehemalige) Kirche, die sich in den Felsen befindet, treffen auf eine Frau, die uns in Ihr Haus zum Tee einlädt. Den Kindern überreichen wir unsere Dose mit Bonbons und bedanken uns für die freundliche Einladung. Abends treffen wir wieder unsere Belgier und erkundigen uns nach dem Verlauf des Kulturabends, worauf beide nur meinten, daß es sehr anstrengend gewesen sei. Verschiedene Sorten Wein hätten sie während des Bauchtanzes einer Dorfschönen probieren müssen und daher noch ein wenig Kopfschmerzen. Wir gehen mit Ihnen Essen und Trinken und sitzen bis spät in die Nacht vor unserer Pansiyon bei kühlem Ephes. (Der eine hat immmer "Jajajajaja" gesagt, wenn er irgendetwas zustimmte, das vergesse ich nie, P.W.)

Freitag, den 09.05.1997

Wir haben eine Rundreise geplant, die uns über Kayseri, Hacibektas, Ürgüp und Avanos führt. In Kayseri mußte Frau Stentrup einen Seidenteppich kaufen, den der Händler - Herr Turan - nach Istanbul schaffen läßt, wo wir ihn abholen können. (Von wegen nur Frau Stentrup, den stolzen Besitzerblick von Herrn Stentrup nach dem Kauf hättet ihr mal sehen sollen, P.W.) Der Neffe von Herrn Turan hat uns durch den bedeckten Basar von Kayseri und zu verschiedenen Moscheen geführt, eher er uns dann die Teppiche seines Onkels im Hotel Turan zeigte und "uns nur glücklich machen und uns die türkische Kultur näher bringen wollte." (Als Händler sind sie echte Teufel, der durchschnittliche Germane ist diesen Verkaufstechniken einfach nicht gewachsen, P.W.)

Samstag, den 10.05.1997

Der Besuch des Nerut Dagi steht auf unserem weitern Programm. Wir fahren über Develi, Adiyaman nach Katha, wo wir um 19.00 Uhr ankommen. Am Ortseingang werden wir gleich von jemandem abgefangen, der eine "Information von unserm Freund" hat. Was immer das sein sollte, wir landen im Hotel "Nemrut Tour". Auf der Fahrt kam mir in Erinnerung, solche Straßen in den USA gefahren zu sein. Zeitweise sahen die Berge aus wie in den Dolomiten. Es gibt eine Unmenge von verschiedenen Gesteinsformationen an denen man die Art des Erzes (Eisenoxyd, Kupferoxyd) sehen kann. Wir sind durch fruchtbare Niederungen, die bewässert wurden, gefahren. Ein Teilstück unserer Strecke war geschottert. Hier ließ es sich Frau Stentrup nicht nehmen, an einer Kreuzung ohne Sicht den in die Karte blickenden Herrn Westenhoff durch die Staubwolke hindurch zu überholen. (so mit mindestens 80 Sachen, die hätte mich locker plattgemacht, P.W.) Auf Strommasten sehen wir mehrere Storchenpaare brüten oder ihre Jungen aufziehen. (Man merkt deutlich, daß die Straßen schlechter werden, langsam muss man höllisch aufpassen, P.W.)

Sonntag, den 11.05.1997 (Muttertag)

Unsere Rundfahrt führt uns zum Tumulus (einem Prinzessinengrab, P.W.), zur Felsenburg, die Herr Stentrup nicht erklimmt, zur römischen Brücke über den Katha Cayi zum Nemrut Dagi. (Selber schuld, die Burg war schön! Da oben hat sich ein Deutscher versehentlich zu Tode gestürzt, er wollte einen Stein über die Schlucht werfen und ist dabei abgerutscht. RIP. P.W.) Der Atatürk-Stausee ist allgegenwärtig in den Tälern zu sehen. Die Fahrt zum Nemrut Dagi war die härteste Prüfung für Gabel und Federbein. Die letzten 8km sind übelstes Kopfsteinpflaster. An der Bergstation trinken wir mehrere Gläser Tee und erklären dem Wirt unsere bisherige und noch kommende Route bevor wir den Tumulus hinaufsteigen. (Von hier oben haben wir Annettes Mutter mit dem Handy zum Muttertag angerufen. Anders als in Deutschland funktioniert so ein Ding in der Türkei praktisch überall. Eine Kawasaki 1300 Voyager und ein Wohnmobil waren auch oben! Nix Erstbefahrung! P.W.) Die Abfahrt ist leichter zu bewältigen als die Auffahrt. (Die Steine stehen zur Talseite hoch, P.W.) Abends lassen wir uns mit einem Taxi nach Barasch zu einem Restaurant fahren. Hier haben wir einen wunderbaren Blick auf den Atatürk-Stausee. Das Essen ist ausgezeichnet und wir beschließen, das Restaurant dem Reiseführer von Müller zu empfehlen.

Montag, den 12.05.1997

Um 8.30 Uhr sitzen wir auf unseren Motorrädern und fahren Sanli Urfa an. Mittags besichtigen wir Abrahams Geburtsstätte und den Teich mit den heiligen Karpfen, gehen durch den Park und trinken Tee, um anschließend nach Diyarbakir weiterzufahren. Wir wählen die "Büyück Kervansaray" und liegen um 15.30 Uhr am Pool, um uns von den Strapazen der Fahrt, die teilweise über eine üble Schotterbaustraße führte, zu erholen. (Totaler Luxus: wegen des RTL-Schildes und des Gebüschs im Eck ist mir klar: vom Pool aus macht der RTL-Chefreporter seine Übertragungen aus dem kurdischen Kriesengebieten, P.W.) Unterwegs sind die Felder sehr häufig bewässert, sodaß grüne Inseln in der Steppenlandschaft entstanden sind. (alles vom Attatürk-Stausee) Da ich meine Hose im Hotel in Katha vergessen habe, gehen wir in den Basar und erstehen für DM 20,00 eine Original Gardier Jeans inclusive Gürtel versteht sich. (Es hätte jede original-Jeans jeder Marke auf dem Basar gegeben, nur nicht in Stentrups Größe - lang und dünn, da gab's nur zwei und die waren dann entsprechend teurer. Die normalen kosteten etwa 14 Mark - natürlich mit original Ledergürtel aus Plastik. P.W.) Einen Tee gibt es selbstverständlich auch für die ausländischen Käufer.

Dienstag, den 13.05.1997

Heute abend wollen wir in Van sein. Die vor uns liegenden 400km sollten durchaus zu schaffen sein. Es fällt auf, daß wir alle 20 bis 30 km von der Poizei oder der Jandarma kontrolliert werden. Die syrische Grenze liegt lediglich ca. 60 km südlich. (Die tragen uns in ein Buch ein und melden die Abfahrtszeit an den nächsten Posten - die haben sich schom mal gewundert, warum wir schon da waren. GS fahrn is wie wenze fliechtst. Teilweise sahen die Jungs aus wie Kommandos aus Arnold Schwarzenegger Filmen. Mit denen ist bestimmt nicht gut Kirschen essen - P.W.) In Tatvan, das wir um die Mittagszeit erreichen werden wir natürlich angehalten, müssen von den Motorrädern absteigen und werden nach kurzem Gespräch zum Mittagessen in der Polizeistation eingeladen. Die Maschinenpistole steht wie selbstverständlich in der Ecke. Auf meine Frage, woher die Militätfahrzeuge, die wir schon des öfteren heute unterwegs gesehen haben, kommen, wird mit "PKK peng, peng, peng" geantwortet. Das ist ziemlich eindeutig. Gleichzeitig werden wir daraufhingewiesen, daß wir nicht in Gefahr sind, solange wir uns tagsüber auf den Straßen bewegen. Nach dem Mittagessen wird draußen direkt am See der Tee genommen, ein Photo gemacht und dann geht´s weiter. In den Bergen sehen wir sehr häufig auf den Gipfeln kleine Hütten, in denen sich Soldaten befinden und Wache schieben. Wir grüßen freundlich, was auch erwidert wird. Die Straßen sind insbesondere in den Kurven zum Teil ausgefahren und sehr uneben. Gegenüber der Insel Ahtamar (mit ihrer wunderschönen armenischen Hallenkirche - leider nicht zu besichtigen, es gab keine Boote. P.W.) machen wir am See eine Pause, bevor wir nach Van fahren. Hier werden wir wiederum von einer Polizeikontrolle angehalten: the same procedure as every hour. Wir nehmen das Angebot zum Teetrinken gerne an und unterhalten uns über die Motorräder und insbesondere über die Verdienstmöglichkeiten der deutschen und türkischen Polizei. Ein weiteres Thema sind die Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen in der Türkei. Wir fragen nach dem Weg zum Sihan-Hotel. Das hat zur Folge, daß uns der Stationsleiter (irgend)ein Fahrzeug anhält, wir auf die Motorräder steigen und dieses Fahrzeug uns mitten in Van bis zum Hotel führt. Die Freundlichkeit der Menschen ist einfach nicht zu fassen. Wir besuchen noch mit unserem Taxifahrer die Zitadelle bis es dunkel ist und sehen bei der Ankunft am Hotel eine Schar von Polizisten vor dem Eingang. Es ist fast nicht möglich, in das Hotel zu kommen.

Die Polizisten interessiert natürlich wo wir herkommen, wo wir hinwollen, wie alt die Motorräder sind, wie schnell sie fahren und sie können es fast nicht begreifen, daß eine Frau auf so einem Gefährt zurechtkommt. Wir sind jedenfalls sehr beruhigt über die außergewöhnliche Bewachung unserer Motorräder. Im Hotel findet eine Gesangsveranstaltung statt zu der auch eine politische Persönlichkeit gekommen ist und von daher ist die Polizeipräsenz außerordentlich hoch. Heute Nacht können wir beruhigt schlafen. (Naja, vielleicht eine kleine Bombe im Hotel, P.W.)

Mittwoch, den 14.05.1997

Von Van fahren wir über Dogubayazit nach Kars. Am Ortsausgang in Van ist selbstverständlich eine Polizeikontrolle, die uns zum Tee einläd, was wir jedoch dankend ablehnen müssen, denn eine oder zwei Stunden Aufenthalt wären die Folge.
In Dogubayazit besuchen wir den Ishak Pasa Saray (wurde gerade restauriert, P.W.) und fahren dann durch die Berge weiter nach Kars. Es geht bis zu 2.660m hoch über die Pässe wobei rechts und links der Straße teilweise noch Schnee liegt und es empfindlich kalt ist. Ich ziehe meine Winterhandschuhe an und schalte die Griffheizung ein. Polizeikontrollen sind auch hier oben in den Bergen.
Gegen 14.30 Uhr laufen wir in Kars ein, tanken und lassen und den Weg zum Hotel Kemel, das (laut Müllers Reiseführer, P.W.) beste am Ort erklären. Das Hotel hat sicherlich schon bessere Zeiten erlebt und ist total heruntergewirtschaftet. Beim Aufdrehen des Wasserhahnes fällt der Siphon vom Waschbecken herunter (und Herr Stentrup steht mit den Tatzen in der Brühe :-). Die Spülung der Toilette funktioniert nicht, weil zu wenig Wasser kommt. (Gut so, es lief auch nix ab, P.W.) Die Tür zum Bad schließt nicht usw..
Wir begeben uns zum Fremdenverkehrsbüro, anschließend zur Polizei, danach zum Museum, um Eintrittskarten für den Besuch von Ani zu erhalten. Am besten fährt man mit dem Taxi diese Stationen ab, da die Anlaufpunkte weit verstreut in der Stadt liegen. Zwischedurch gibt es einen heftigen Regenschauer, wodurch der Staub auf den Straßen etwas gebunden wird.
Abends essen wir in dem (einzigen) Restaurant, in dem es während des Ramadan Bier gibt. Hier trifft sich zu den Klängen der Orgel und dem Gesang von Tanselm Bora (einer drallen Blonden mit guter Stimme im Bauchtanzkostüm, P.W.) die Halb- und Unterwelt zum Stelldichein. (Nette Typen mit guten Manieren - Handküsse für den Oberboss, usw. P.W.)

Donnerstag, den 15.05.1997

Um 8.00 Uhr ist Abfahrt nach Ani, wo wir unterwegs von der Jandarma überprüft werden. Dieses ist der östlichste Punkt unserer Reise. Wir sehen von Ani aus über die Grenze nach Armenien. (Italienische Mopedfahrer waren auch da, die einzigen, die wir im Osten der Türkei getroffen haben, P.W.) Der Grenzzaun erinnert mich an die Zeit des eisernen Vorhanges. Bis 10.00 Uhr halten wir uns dort auf und fahren dann die sehr (!!) schlechte Straße zurück nach Kars, um über Erzurum am Abend in Trabzon zu sein. Es sind etwa 650km zu bewältigen. Die Hauptstraße ist als Europastraße ausgewiesen und sehr gut zu fahren.

Wir fahren Trabzon von Süden an und sehen Landschaften, wie sie in den Dolomiten oder auch in Österreich zu finden sind. Die Berge sind grün bewaldet, die Häuser sind teilweise versteckt in den Bergen gebaut worden. Einfach schön anzusehen.
In Trabzon finden auch nach mehreren Versuchen kein Hotel (irgendeine Messe, P.W.), und wir entschließen uns weiter nach Akcaabat zu fahren, wo wir fündig werden. Auch hier werden wir gebeten, die Motorräder direkt vor den Eingang zu postieren.
Wir essen nebenan in einem kleinen Restaurant Kebab, Fleischbällchen Yoghurt und trinken Ayran. Alkoholische Getränke sind nicht vorhanden. Mein Magen hat die Esserei in Kars nicht gut vertragen und es stellt sich langsam aber sicher ein erhöhter Druck im Unterbauch und Dünnpfiff ein.

Freitag, den 16.05.1997

Wir haben uns heute für eine Rundreise entschieden, die entlang des Schwarzen Meers, vor Tirebolu nach Süden ins Gebirge und am Ende der Straße nach Norden mit einem Abstecher zum Kloster Sumela führt. Die Straße nach Süden ist eine astreine Schotterbaustraße, auf der uns die LKW, die die Staudammbaustelle anfahren, entgegenkommen. Die alte Paßstraße nach Norden ist wunderbar leer und nur von einigen Schafhirten benutzt. In Macka fahren wir rechts ab zum Kloster Sumela, wo wir am Ende der geteerten Fläche den Schotterweg, der mit groben Steinen übersäät ist fahren bis zum Gehtnichtmehr. (War wohl ein altes Bachbett, sorry, P.W.) Hier stellen wir die Motorräder ab und gehen den letzten Kilometer zu Fuß zum Kloster hinauf. Die Restaurationsarbeiten sind hier in vollem Gange. Beim Herunterfahren will der Anlasser von Frau Stentrups Motorrad nicht mehr. Auf Steine und Schotter das Motorrad zum Laufen zu bringen hat etwas. Bevor wir uns Richtung Akcaabat orientieren trinken wir Wasser und einen Tee. Das Anschieben der Maschine klappt ohne Probleme. Der Dünnpfiff hat uns alle zur Zeit im Griff. Die Abstände zwischen den Pausen werden geringer eingeplant (ca. 1,5h - es gab halt abends keine Raki - der hilft wirklich, P.W.!)).

Samstag, den 17.05.1997

Zur Reparatur des Anlassers haben wir beschlossen, uns in Richtung Ankara zu bewegen. (Eigentlich wollten wir am Schwarzen Meer entlang, so war's aber auch toll. P.W.) Es geht über Ordu (das ist da wo Ferreros "Byzantiner Königsnüsse" - sprich die Haselnüsse für Rocher herkommen, P.W.), Unye nach Amasya. Die Straße südlich von Unye ist gelinde gesagt schlecht und bedarf dringend einer Reparatur. (Schlaglochtiefe > 30 cm, P.W.) Das Anschieben der GS von Frau Stentrup funktioniert nach den Pausen recht ordentlich. Während des Betankens wird das Motorrad nicht abgestellt. In Amasya ist unsere gewählte Pansiyon voll. Wir übernachten im Hotel Maden. Es beginnt zu regnen, während wir unser Zimmer in Beschlag nehmen.

Zum Abendessen gehen wir ins Pilic-Restaurant. Der Wirt hat in Deutschland gearbeitet und hat auf einer Urlaubsfahrt in die Türkei bei einem Unfall seine drei Söhne verloren und lebt jetzt mit Frau und Tochter wieder in Amasya. Normalerweise schenkt er kein Bier aus. Für uns geht er hin und besorgt 5 Flaschen Ephes. In den frühen Morgenstunden fährt direkt vor unserem Hotel ein Fiat 128 gegen einen Betonlampenmast. (Unsere paar Ephes hatten damit nix zutun, aber unsere Mopeds standen gleich daneben, P.W.)

Sonntag. den 18.05.1997

Am Morgen plagt mich mein Magen ( abends kein Raki , P.W.), sodaß ich den Stadtrundgang durch Amasya abbrechen muß und mich zurück zum Hotel begebe. (Meine Euroscheckkarte verschwindet in einem Automaten und Annette besorgt mit mein Schweizer Messer aus dem Hotel während ich den Automaten bewache. Mit der kleinen Pinzette bekomme ich sie wieder raus, Glück gehabt. Danke Annette! P.W.) Wir fahren weiter und erreichen gegen 14.30 Uhr Ankara und nehmen im Hotel Cerek direkt neben dem Inönü-Stadion Quartier. Mit dem Taxi fahren wir zum Atatürk-Mausoleum, das wegen der am folgenden Tag stattfindenden Feierlichkeiten geschlossen ist. Wir besuchen das archäologische Museum, das lediglich noch 45 Minuten geöffnet hat. (Das Museum war toll, P.W.!) Im Stadtpark erholen wir uns bei Tee und Wasser von den Strapazen (330km und viel geschissen, P.W.) des Tages und sehen beim Verlassen des Parks mehrere Polizisten, die zu zweit auf einer BMW R80 GS durch Ankara fahren. Mit dem Taxi geht es zurück in Richtung Hotel. In einem kleinen Restaurant essen wir zu Abend und werden mit Handschlag vom Koch verabschiedet. Er hat sich sichtlich über den ausländischen Besuch gefreut.

Montag, den 19.05.1997 (Tag der Jugend und des Sports)

Wir versuchen indem wir uns ein Taxi besorgen eine BMW -Werkstatt aufzutreiben. Die ersten beiden Werkstätten waren von der Qualität "übelster Hinterhofbastelbude", die wegen des Feiertages geschlossen hatten. Die letzte Werkstatt im Industriegebiet von Ankara hatte ein Schild im Fenster mit dem Hinweis, daß sie umgezogen seien. Also auf zum neuen Standort. Beim Hereinfahren ins Neuindustriegebiet habe ich das Taxi verloren und bin hinter einem falschen Taxi hinterhergefahren. Unser Taxi hat uns dann auf der Straße in Richtung Innenstadt eingeholt und letztendlich zur Werkstatt gefahren. Der Chef sprach sehr gut Deutsch und hat uns daraufhingewiesen, daß er die Vertretung für Motorräder nicht mehr hat und wir nur in Istanbul die Möglichkeit der Reparatur hätten. (Was im BMW Werkstattverzeichnis steht, ist alles Mist, P.W.)
Also fahren wir wie geplant Richtung Istanbul, das ohnehin auf unserem Programm steht. Beim Früstück beschließen wir, daß wir nach Bursa fahren (490km). Die Strecke zwischen Nallihan und Eskisehir war eine sehr schöne Verbindungsstraße durch leicht hügelige Landschften auf guten, kurvenreichen Straßen. Die Bilder von der Toskana sind ähnlich wie die Landschaft hier. Die Motoren beginnen bei Lastanforderung zu klingeln. Ab sofort tanken wir nur noch Superbenzin und die Klingelei ist wie weggeblasen. (Hab ich ja gleich gesagt, keine Experimente, nur Super, P.W.)

Herr Westenhoff hat unterwegs einen Schimmel, das von einem Mädchen an der Leine gehalten wurde aufgescheucht, sodaß das Pferd scheute und durchging (Ich kann mich nicht erinnern, wieso ich? Wahrscheinlich hat der Gaul Johannes gesehen! P.W.). Im Hotel Akdogan nehmen wir die Möglichkeit der Benutzung des Thermalbades mit Massage gerne war. Eine Wohltat nach der Fahrt und dem morgentlichen Mißerfolg. Gegessen haben wir im Hotel.

Dienstag, den 20.05.1997

Wir besichtigen Bursa und fahren mit dem Taxi in die Stadt zur Emir Sultan Camii. Von hier aus werden wir uns über den Tag nach Westen Richtung Hotel zu Fuß begeben und die Schönheiten der Stadt besichtigen. Natürlich gehen wir ins Basarviertel und in die alte Kervansaray, besuchen verschiedene Seidengeschäfte, wo Peter Seidentücher erwirbt. Tee wird auch im Geschäft nach dem Kauf getrunken und ein anregendes Gespräch geführt mit dem Besitzer und seiner Frau, einer Sportlehrerin, die 90 Medaillen im Schwimmen errungen hat. In der Kervansaray essen wir zu Mittag. Nachmittags sind wir im Atatürk-Park und besichtigen noch die Muradiye Camii. Vom Park aus geht es gegen 16.00 Uhr mit dem Taxi zum Hotel. In einem etwas oberhalb gelegenen Hotel essen wir zu Abend und treffen hier deutsche Touristen. Nachdem wir Ephes bestellt haben klärt uns der Oberkellner auf, dass es keine alkoholischen Getränke gibt. In der Hotelbar, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die Stadt haben, genießen wir unser Ephes. (Was Hannes wieder verschwiegen hat, war die rassige Schwarzhaarige - Ägypterin? - in der Hotellobby, die ihm und mir verführerische Blicke zugeworfen hat, P.W.)

Mittwoch, den 21,05.1997

Wir fahren am Izniksee vorbei nach Istanbul und kommen dort gegen 15.00 Uhr an. Das geplante Hotel haben wir nicht gefunden und fahren aus der Stadt und nehmen das nächstliegende, das Hotel Hislon. Um 18.00 lassen wir uns für ca.7,00DM mit dem Taxi bis zum Basar fahren und suchen Turans Teppichladen, den wir verschlossen vorfinden. Der Basar wird um 19.00 Uhr geschlossen. In der Nähe der blauen Moschee essen wir zu Abend und begeben uns zur Uferpromenade wo noch ein Bier getrunken wird eher wir mit dem Taxi ins Hotel fahren.

Donnerstag, den 22.05.1997

Besichtigung der Sultan Ahmed Camii, des Topkapi Saray, des Hippodroms, des Kaiser Wilhelm Brunnens und der Sultan Selim Moschee. Wir besuchen Turans Teppichladen und sehen den in Kayseri gekauften Seidenteppich, der am nächsten Tag abgeholt werden kann. Natürlich trinken wir bei Ibrahim Turan Tee und unterhalten uns über die Eindrücke, die wir bisher von der Türkei bekommen haben und über die Mentalitätsunterschiede der Völker. (Vöker in der Türkei, wohlgemerkt. Armenier und Kurden kommen in der Meinung unseres Gastgebers nicht so gut weg, P.W.)

Freitag, den 23.05.1997

Ein weiterer Tag Istanbul steht auf dem Programm. Wir sehen die Hagia Sophia, den Dolmabahce-Palast und die Süleyman-Moschee und holen am späten Nachmittag den Seidenteppich ab. Der Taxifahrer, der uns zum Palast bringen soll veranstaltet eine Stadtrundfahrt und nimmt ca. 14,00 DM. Der Rückweg kostete die Hälfte. Zum Zeitvertreib schlendern wir noch einmal durch den Basar. Es wird spürbar, daß wir von Moscheen und Palästen genug gesehen haben und entschließen uns am nächsten Tag Istanbul in Richtung Edirne zu verlassen.

Samstag, den 24.05.1997

Nachts hat es geregnet und als wir losfahren wollen sind die Straßen noch naß. Dieses führt zu Problemen beim Anschieben des GS mit dem defekten Anlasser. Mit zwei Leuten auf dem Motorrad schaffen wir es (Ich habe das geschafft – die faulen Säcke sind nur draufgesessen, ich habe so geschoben, daß ich bald geko...P.W.!) das gute Stück zum Laufen zu bringen.
Wir fahren über die gut ausgebaute Autobahn nach Edirne. Die Selimiye Camii wird zurecht als das Meisterwerk des Baumeisters Sinan bezeichnet. In Edirne trinken wir unterhalb der Moschee einen Tee, bevor wir Richtung Grenze unsere Reise durch die Türkei beenden. Wir fahren nach Süden und anschließend nach Westen über die türkisch - griechische Grenze.
Vorher sollen wir noch von der Polizeikontrolle gemolken werden und DM 100,00 wegen zu schnellen Fahrens bezahlen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde ist der zu zahlende Betrag auf 0 geschrumpft, wir erhalten unsere Führerscheine zurück und verlassen die Türkei. Die Ausreise ist absolut problemlos verlaufen. (Interessant war, wie einfach die Einreise in die EG für uns war, während alle anderen sich an einen anderen Schalter filzen lassen mußten. Es war irgendwie, als käme man heim. P.W.)
Abends übernachten wir 5km vor Kavala in einem kleinen Hotel nahe am Strand. Das Abendessen (frische Kalamaris mit entsprechenden Zutaten) nehmen wir direkt am Strand zu uns. Wir treffen einen Radfahrer aus Bonn, der auch in dem Hotel, in dem wir untergebracht sind, nächtigt. Er macht eine Radtour von Athen nach Istanbul. Ein herrlicher Abend.

Sonntag, den 25.05.1997

Unser heutiges Ziel ist Igumenitsa, wo wir am Abend an Bord gehen möchten. Wir fahren über Thessaloniki und Larissa und kommen gut voran. Etwa 120km vor Igumenitsa fahre ich über eine Öllache und lande im Graben. Das Motorrad wird wieder fahrtüchtig hergerichtet und um 19.30 Uhr sind wir im Hafen. Peter und Annette besorgen die Tickets und um 21.30 Uhr legen wir ab. Geschlafen wird auf dem Boden zwischen den Pullmansitzen, was übrigens sehr gut geklappt hat.
(Pullmannsitze braucht man in der Nebensaison nicht buchen. Es ist immer was frei und niemand kontrolliert, wo man sich hinlegt. Der Unfall war ziemlich übel und Herr Stenrup hat großes Glück gehabt. Es war übriges eine absolute Spitzenleistung von Herrn Stentrup mit der beschädigten Maschine und dem Unfall in den Knochen dann anschließend die superkurvigen Straßen bis Igoumenitsa zu fahren, P.W!)

Montag, 26.05.1997

Um 12.00 Uhr kommen wir in Bari an und fahren nach Norden die Autobahn. Frau Stentrups Motorrad bläst Staubwolken heraus und läuft unruhig. Wir säubern die Schwimmerkammern der Vergaser und wechseln die verkrusteten Zündkerzen (meine Ersatzkerzen, P.W.) und weiter gehts, etwa 527km bis Fano. Hier übernachten wir im Hotel Amelia und essen eine sehr gute Pizza Frutti de Mare mit viel Bier im gegenüberliegenden Restaurant.

Dienstag, den 27.05.1997

Wir legen uns gut ins Zeug und wollen abends soweit es klappt in Österreich oder gar Deutschland sein. An Autobahngebühren zahlen wir in Italien etwa 120,00DM/Pers. In Österreich zahlen wir 12 Mark für das Pickerl und 16 Mark für die Brennerautobahn. Wir schaffen es, gegen 20.00 Uhr in Oy (Allgäu) zu sein und übernachten im Hotel Löwen bei Margret Feser. (Irgendwie wollten alle Heim, P.W.)
Hier gibt es seit 5 Wochen zum erstenmal wieder Schweinefleisch. Peter zieht sich eine Schweinhaxe mit großem Genuss herein. Das Hefeweizen zischt nur so herunter. Nach einer Fahrt von 759 km ist es eine richtige Wohltat. (Stimmt! P.W.) Es ist schon ein schönes Gefühl in Deutschland zurück zu sein.

Mittwoch, den 28.05.1997

Wir fahren über die Autobahn in Richtung Schwäbische Alb und erreichen gegen 11.00 Uhr die Juhe Tübingen. Nachdem die Motorräder verzurrt sind und das Gepäck verstaut worden ist, lädt uns Manne Sailer zum Mittagessen ein. Selbstverständlich wird zunächst über unsere Reise ausführlich berichtet. Gegen 16.00 Uhr fahren wir ab Tübingen und erreichen Ahaus um 23.00 Uhr. (Ich bin natürlich die ganze Strecke mit dem Motorrad gefahren, also noch heim nach Mannheim, P.W.) Ausgepackt wird an diesem Tag nichts mehr. Wir fallen in die Betten und sind froh, nach 11.207 km mit den teilweise lädierten Motorrädern wieder zu Hause zu sein.

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